Um 1248 wird die Stadt Aarau von den Kyburgern auf einem Felskopf aus Malmkalk des Juras, der wie ein Riegel von Süden her in den Überschwemmungsraum der Aare vorstösst und eine hervorragende Schutzlage bietet, gegründet.

Eine Stadtgründung ohne Versorgung mit genügend sauberem Wasser, welches als Trinkwasser, Brauchwasser, Löschwasser und als Wasserkraft für den Antrieb der Wasserräder des Gewerbes benötigt wird, ist undenkbar. Auch andere aargauische Städte, ja Städte überhaupt, brauchen zu jener Zeit ihren Stadtbach, so Baden von Dättwil her, Bremgarten von Zufikon her, Rheinfelden von Magden her, Zofingen von Mühletal her, Lenzburg von Ammerswil her, aber diese Stadtbäche sind bereits vor der Stadtgründung als natürliche Wasserläufe vorhanden. Zum Aarauer Felskopf führt aber keine natürliche Wasserader, und im Bereich der ummauerten Stadt lassen sich keine Sodbrunnen abteufen. Auch die wenigen in der Umgebung der Stadt vorhandenen Quellen würden zu wenig Wasser für die Stadt liefern. Der Stadtbach von Aarau muss von Menschenhand erbaut und als künstlicher Kanal mittels mehrerer Kunstbauten zur Stadt hingeführt werden!
Auf Grund der fehlenden historischen Quellen bleibt bis heute unbekannt, wer genau den Stadtbach zu welcher Zeit vermessen und gebaut hat. Zunächst genügt sicher der Vorstadtbach, welcher bereits für die Versorgung des vor dem Bau der Stadt in der Gegend der heutigen Vorderen und Hinteren Vorstadt existierenden Dörfchens „zen Husen“ existiert hat. Er wird mit Wasser aus Bächen aus dem Golderngebiet und aus Quellen oberhalb des Regierungsgebäudes gespiesen und fliesst durch die heutige Vordere Vorstadt und den Ziegelrain.
1292 erlaubt der Landesherr, Herzog Albrecht I. von Habsburg-Österreich, formell in einer Urkunde der Stadt Aarau, die Suhre in der Suhreebene anzuzapfen. Ob es sich lediglich um eine Erneuerung eines früher erlassenen Rechtes oder um ein neues Recht handelt, ist heute unklar.
Somit muss der Stadtbach irgendwann im Zeitraum der Stadtgründung zwischen 1248 und 1292 erbaut worden sein. Er hat seither seinen Ursprung in den zahlreichen Quellen (Grundwasseraufstösse: z.B. Kleiner und Grosser Brunnquell) in der Ebene am Südrand des Gönhardwaldes zwischen Unterentfelden und Suhr, genannt Brüelmatten, Suhreebene, Endiveld, Suhrenmatten.
Bis zum Aarauer Abschlag unterhalb der Kirche Suhr wird der Stadtbach auch Brunnbach genannt („Brunnen“: Quelle). Als Abschlag bezeichnet man eine Wassersperre mittels eines Wuhrs, mit welchem durch Drehen eines runden Holzstamms ein schweres Brett an Ketten auf und abgesenkt wird. Der Aarauer Abschlag dient der Regulierung des Wasserstandes und der Trockenlegung des Stadtbachs anlässlich der Reinigung.