Quelle: Aargauer Zeitung, Katja Schlegel
Kürzere Tage und kühlere Temperaturen sind das eine. Aber Fischkleister und Leimstiftreste zwischen Kinderfingern das andere. Letztere sind die
untrüglichen Zeichen dafür, dass der Bachfischet, der traditionsreichste Aarauer Anlass, näher rückt.
Die diesjährige Ausgabe findet am Freitag, 19. September, statt. Und sie wird als 499. Bachfischet in die Stadtchronik eingehen. 1526 wurde das Abschlagen des Baches, also das Trockenlegen der Stadtbachrinne zu Reinigungszwecken, zum ersten Mal im Ratsmanual erwähnt. Und wie es sich für eine anstrengende Arbeit gehörte, folgte auf sie das grosse Festen: Während die Mannen auf Kosten der Stadt verköstigt wurden, feierten die Kinder das Fluten des Bachbetts und hiessen die ersten Wellen mit leuchtenden Kürbissen und Räben willkommen. Heute sind es aufwendig gestaltete Lampions, mit denen die Aarauer Schulkinder singend durch die dunkle Altstadt ziehen.
Das Jubiläum naht also: 500 Jahre Bachfischet, damit gilt der Brauch als der älteste dauernd gelebte Brauch der Schweiz. Dafür wurde er 2012 vom Bundesamt für Kultur auf die «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz» gesetzt. Insgesamt umfasst die nationale Liste 167 Kulturgüter.
Doch man soll der nächstjährigen Feier nicht vorgreifen. «Die diesjährige Ausgabe wird klassisch; ein Bachfischet, wie man ihn gewohnt ist», sagt denn auch Andreas Gersbach, Bachfischet-Obmann der Heinerich-Wirri-Zunft, die den Anlass seit 1923 organisiert. In Kürze heisst das: Der Umzug startet um 20.15 Uhr und führt von der Bachstrasse via Vordere Vorstadt, Rathausgasse und Halde hinaus in den Schachen zum Maienzugplatz. Angemeldet sind rund 2100 Kinder der Kreisschule Aarau-Buchs, weiter werden Gastklassen aus Erlinsbach, Küttigen und Schönenwerd erwartet. Das Ende des Umzugs wird eine Delegation der Feuerwehr Aarau mit historischen Utensilien bilden. «Das Ende des Umzugs klar zu markieren, hat sich in den letzten beiden Jahren sehr bewährt», so Gersbach.

Auf dem Maienzugplatz bekommen alle Kinder kostenlos eine Portion «Hörnli und Ghackets» samt Eistee, offeriert von der Zunft und der Ortsbürgergemeinde Aarau. Die Ausgabestationen werden von den Aarauer Pfadis St. Georg und Adler sowie der Jubla betreut. Diese werden auch ein Auge auf das Retournieren der obligatorischen Mehrwegbecher haben. Nach der Schülerverpflegung gibt es – bei guter Witterung – eine Festwirtschaft bis 24 Uhr.
Enden wird der Umzug mit einem Feuerwerk. «Ein Feuerwerk mit Mordschlapf», betont Gersbach. Diesen hatte die Zunft 1924 erstmals als Finale des Bachfischets gezündet, damals noch auf dem Bahnhofplatz. Im Laufe der Jahre war der einzelne Chlapf immer mehr zu einem grossen Feuerwerk geworden, bis ihn die Zunft 2024 wieder einführte.
Apropos Jubiläum: Was wird Aarau beim 500-Jahr-Jubiläum erwarten? «Der Bachfischet 2026 wird nicht pompös, aber mit speziellen Akzenten versehen», sagt Gersbach. Noch ist nicht alles in Stein gemeisselt, aber der Obmann liebäugelt damit, andere uralte Schweizer Bräuche in den Umzug einzufädeln, etwa Chalandamarz aus dem Engadin oder die Basler Fasnacht.
